Die Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) ist Teil der Stiftung Gedenkstätten
Sachsen-Anhalt.
Dr. Carl Lampert | Ort: Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale)
Magdeburg/Halle. StGs. Am 13. November 1944 wurde der katholische Provikar
Dr. Carl Lampert im Hallenser Zuchthaus "Roter Ochse" in Halle (Saale)
hingerichtet. Er starb unter dem Fallbeil.
Der 1894 in Göfis (Vorarlberg, Österreich) geborene und 1918 zum
Priester geweihte Carl Lampert geriet ab 1938, im Jahr des Anschlusses Österreichs
an das Deutsche Reich, ins Visier der Gestapo. Im Frühjahr 1940 wurde
er mehrfach vorübergehend in Haft genommen, nachdem er die Repressalien
des NS-Regimes gegenüber den Geistlichen in der Diözese Innsbruck
mutig anprangert hatte.
Als Lampert im selben Jahr eine Todesanzeige für den im KZ Buchenwald
ermordeten Pfarrer Otto Neururer veröffentlicht hatte, in der er dessen
Sterbeort nannte, wurde er selbst in das KZ Dachau eingewiesen.
Nach seiner Freilassung im August 1941 wurde der Österreicher nach Stettin/Pommern
strafversetzt. Die Berichte eines auf ihn angesetzten Spitzels führten
im Februar 1943 zur erneuten Verhaftung und weiterer fast 40 Personen aus
dem Umfeld der Propstei Stettin.
Am 20. Dezember 1943 wurde Lampert in einem ersten Verfahren des Reichskriegsgerichts
im Zuchthaus Halle wegen "Rundfunkverbrechens", "Zersetzung
der Wehrkraft" und "Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt.
Wenige Wochen später wurde er wegen weiterer Untersuchungen nach Torgau
verlegt. Nach einem zweiten Todesurteil im September 1944 - dieses Mal wegen
angeblicher Spionage - folgte der Transport zur Hinrichtung nach Halle/S.
Mit Lampert zusammen starben zwei mit ihm gemeinsam angeklagte Priester aus
Berlin und Hessen sowie acht Soldaten, die ebenfalls vom Reichskriegsgericht
verurteilt wurden sind. Im September 1947 ist die Urne Lamperts in dessen
Heimat überführt worden. Sie ruht heute in einem Schrein in der
Kirche seines Geburtsortes Göfis.
Am 13. November 2011 lässt Papst Benedikt XVI. den österreichischen
Provikar selig sprechen. Die Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) hat
das Seligsprechungsverfahren mit der Recherche zahlreicher wichtiger Dokumente
zu den Gerichtsverfahren, der Hinrichtung und der Grablage unterstützt.
Die Zeremonie der Seligsprechung, die in der Heimatkirche Lamperts in Dornbirn
(Österreich) stattfindet, wird von weiteren Gedenkveranstaltungen in
Österreich, Deutschland und Polen flankiert. Zur Erinnerung an die Stunde
der Hinrichtung beginnen alle Gedenkveranstaltungen um 16 Uhr, so auch die
Gedenkfeier im ehemaligen Hinrichtungsraum des Zuchthauses Halle, der heute
Teil der Gedenkstätte ROTER OCHSE ist.
Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.
Hinweis: Die Dauerausstellung in der Gedenkstätte muss derzeit wegen
technischer Wartungsarbeiten geschlossen bleiben.
Internet: www.nachkriegsmuseen.de/stasi.html